Interregnum. Adrian Paci
In Foligno, in der ehemaligen Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit in Annunziata, bis zum 16. April 2026, ist die Ausstellung Interregnum von Adrian Paci zu sehen, ein Projekt, das das Verhältnis von Erinnerung, Macht und Repräsentation untersucht. Im Zentrum steht eine 2017 entstandene Videoarbeit, die als Kern des Rundgangs in einen Dialog mit der permanenten Installation des Ortes, Calamita Cosmica von Gino de Dominicis, tritt.
Durch die Montage von Archivmaterialien und offiziellen Fernsehaufnahmen aus unterschiedlichen geografischen und historischen Kontexten, darunter Albanien, China, Nordkorea, die Sowjetunion und Jugoslawien, entsteht eine transnationale und transhistorische Inszenierung des kollektiven Trauerns, die sich auf die Staatsbegräbnisse kommunistischer Führer des 20. Jahrhunderts bezieht. Direkte Hinweise auf die verstorbenen Machthaber fehlen vollständig: Weder Särge noch Körper oder explizite Machtsymbole sind zu sehen. Im Mittelpunkt steht allein das Volk.
Die Bilder aus den 1920er- bis 1980er-Jahren dokumentieren nationale Trauerrituale, die das Ende ganzer politischer Epochen markierten. Sichtbar wird eine emotionale Vielstimmigkeit aus wiederholten Gesten und festgelegten Haltungen, die die Spannung zwischen individueller Erfahrung und kollektiver Inszenierung, zwischen authentischem Schmerz und auferlegtem Ritual offenlegt.
Interregnum ist Teil von Adrian Pacis biografischem und künstlerischem Weg, geprägt von seinen Erfahrungen mit den politischen Umbrüchen nach dem Zusammenbruch des albanischen kommunistischen Regimes, geht jedoch über den nationalen Kontext hinaus und eröffnet eine umfassendere Reflexion über kollektive Erinnerung und die Rolle der Medien bei der Auswahl, Bewahrung und Weitergabe der Vergangenheit. Der Begriff des „Interregnums“ erscheint dabei als Zustand der Schwebe und der Krise, in dem die alte Ordnung vergeht, ohne dass eine neue bereits entstanden ist, und in dem Erinnerung zu einem Feld zwischen Kontrolle und möglicher Veränderung wird.
